Travel

5 Monate in Valencia: Travel diary

Mai 6, 2017

Hola mis amores,

wie vielleicht einige von euch schon im letzten Post gelesen haben, habe ich mir für den Frühling vorgenommen, eine Spanienreihe zu beginnen. Immerhin hat das Land im Süden die letzten 5 Monate mein Leben bestimmt und es gibt eine Menge zu erzählen! Was habe ich dort eigentlich gemacht, wie lebt es sich in Spanien und warum besonders Valencia eine sehenswerte Stadt ist – das erfahrt ihr in dieser Blogreihe! Heute möchte ich aber erstmal mit den Basics beginnen: Wie, wo, wieso, was?

Alles begann eigentlich nach dem Abitur, als ich wie so manch anderer vor der großen Frage stand: Was jetzt? Mein ganzes Leben liegt vor mir, ich habe fast ein halbes Jahr Zeit, zu tun und zu lassen, was ich möchte, aber: Was mache ich damit? Und ganz ehrlich: Ich beneide diejenigen, die von Anfang an wissen, welchen Beruf sie ausüben möchten. Ich selbst hatte und habe unglaubliche Probleme damit, herauszufinden, was das Richtige ist. Wie möchte ich den Rest meines Lebens verbringen? Welcher Job verbindet meinen Drang zum Reisen, mit der Gewissheit etwas Gutes zu tun und ermöglicht trotzdem einen akzeptablen Gehaltszettel? Denn wir alle müssen uns eingestehen, dass es – zumindest zum Teil – am Ende des Tages auch darauf ankommt. 

Während ich meinen Sommer zum größten Teil mit Arbeiten verbrachte, schob ich diese Überlegung also erstmal auf: Zwar bewarb ich mich an Universitäten, aber eigentlich wollte ich kein Studium beginnen, ohne davon überzeugt zu sein. Auch wenn ich unbedingt in eine andere Stadt zum Studieren ziehen möchte: Auf gut Glück war es mir doch zu heikel. Ich schwankte ständig hin und her: Tourismus, Journalismus – oder bin ich doch für die Managementwelt geschaffen? Ich wusste, dass auf viele meiner Fragen die beste Antwort das Reisen war: An einem anderen Ort zu leben eröffnet einem stets einen Perspektivenwechsel und ich hatte das Gefühl, genau das zu brauchen. 

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Praktikawelten als spontane Entscheidung

Es war bereits Ende September, als ich durch eine Freundin auf die Möglichkeit stieß, mit Praktikawelten ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Für mich stand früh fest: Ein englischsprachiges Land wie Neuseeland oder Australien war keine Option. Obgleich beide Länder mit Sicherheit wunderschön sind, wollte ich mich weiter qualifizieren und eine neue Sprache lernen. Durch mein Auslandsjahr in den USA bewegte ich mich in der englischen Sprache bereits sehr sicher. Spanisch hingegen – die Sprache des Flamenco und der feurigen Leidenschaft – reizte mich weitaus mehr.

Im Gegensatz zu anderen Organisationen, bei denen Angebote für Spanien eher spärlich vorhanden waren, überraschte Praktikawelten mit der Option des Auslandspraktikums in Valencia: Aufenthaltsdauer, Wohnort und Praktikumsbereich – insofern möglich – waren frei wählbar. Da ich noch Geld meines Sommerjobs übrig hatte, entschied ich mich relativ kurzfristig, ab November die nächsten 4 Monate ein Auslandspraktikum in der sonnigen Küstenstadt zu absolvieren. Einen spanischen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und weitere Unterlagen: Mit Fleiß und der Hilfe meiner Freundin war auch dies schnell überstanden. Beim Bestimmen des Arbeitsbereichs wählte ich meine drei Favoriten in die nähere Auswahl. Da aber außer in der Hotelbranche im Tourismus nichts vorhanden war, und meine Spanischkenntnisse für ein Journalismuspraktikum nicht ausreichten, stand schnell fest, dass ich die nächsten Wochen für ein internationales Messezentrum im Eventmanagement arbeiten würde. 

Primeros días en Valencia – Vom Ankunftsstress über verrückte Mitbewohner

Die letzten Wochen vergingen wie im Flug und ein bisschen fühlte ich mich wie in meiner Zeit vor den USA, nur viel sicherer. Ich verbrachte fast jede freie Sekunde mit meinem damaligen Freund, bereitete hier und da zwar ein paar Dinge vor, aber eigentlich dachte ich gar nicht so viel an Spanien. Ich freute mich, aber alles ging viel zu schnell um wirklich, wirklich aufgeregt zu sein. Ehe ich mich versah, flog ich am 30. Oktober für 2 Stunden in den Südosten Spaniens – und fand mich nach einer kurzen Taxifahrt vor verschlossener Tür wieder. Meine Mieterin hatte doch tatsächlich eine falsche Uhrzeit notiert und so wartete ich erstmal eine halbe Stunde auf dem Gehweg einer Hauptstraße der Großstadt. Mit vollem Gepäck. Ohne jegliche Orientierung. Trotz meiner leicht genervten Stimmung, musste ich leicht schmunzeln, als der erste halbwüchsige Spanier mit einem “Hola, como te llamas?” an mir vorbeihuschte.

Für die ersten vier Wochen hatte ich seitens der Organisation ein Zimmer in einer piso compartido, also einer WG, gemietet. Am Sonntagabend noch lernte ich meine Mitbewohner kennen: 3 Londoner Jungs – oder sollte ich doch lieber Männer sagen? – im Alter von 21, 25 und, jetzt kommt’s, 42. Versteht mich nicht falsch, aber zumindest am Anfang fand ich es schon befremdlich, mit Unbekannten zu wohnen, von denen einer mein Vater sein könnte. Und ganz ohne eingebildet zu klingen: An dieser Stelle bewundere ich rückblickend selbst meinen Mut, und dass ich nicht gewechselt habe. Das ist jedoch eine Sache, die ich im Nachhinein bereue. Denn die nächsten vier Wochen sollten – zumindest bezüglich der Wohnsituation – kein Zuckerschlecken sein. Meine Mitbewohner arbeiteten als Aushilfslehrer für 5 Wochen an der Sprachschule, die ich anfangs besuchte, und sahen das Ganze eher als Partyaufenthalt als alles andere an. Somit verwandelte sich unsere Wohnung schon nach wenigen Tagen in einen Saustall, von Zigaretten auf Tellern über leere Bierdosen und nicht betätigte Klospülungen (für die hässlichen Details entschuldige ich mich, aber wir wollen ja nichts beschönigen) war alles dabei. 

Tranquila! – Warum die Wohnungssuche in Spanien so entspannt ist

Trotz dass ich manchmal wirklich Spaß mit ihnen hatte, zum Beispiel bei spontanen Besuchen von Musik-Gigs in einer Bar an meinem ersten Abend, oder gemeinsamem Paella-Essen am Strand: Nochmal würde ich das glaube ich nicht machen. Mit Aussicht auf meinen Umzug im Dezember motivierte ich mich jedoch, die Zeit durchzuhalten und es zumindest zu versuchen. An dieser Stelle muss ich wirklich einen Daumen runter geben: Als Organisation hätte man auf eine bessere Mischung der WG-Partner achten können. Immerhin bezahlte ich eine unverschämte Menge an Geld für diese 4 Wochen, denn die Mieten in Valencia sind normalerweise sehr günstig. 

Insidertipp: Spanier sind in Sachen Wohnungen vermieten und Einzug sowohl spontan als auch unkompliziert. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es häufig keine “Interviews”, manchmal lernt man zum Beispiel nicht mal die Mitbewohner kennen. Nicht selten kam auch die Frage, ob ich denn sofort einziehen könne, und mit den Besichtigungen 3 Wochen vor dem Einzugstermin zu beginnen war definitiv zu früh. Komisch, oder? Hierzulande ist man teilweise schon Monate vorher auf der Pirsch. Solltet ihr also in Spanien eine Wohnung suchen, empfehle ich euch Folgendes: Fallt nicht auf die meist überteuerten Angebote der Organisationen rein, sucht euch stattdessen für die ersten Tage oder Wochen ein günstiges Hostel. Auf Seiten wie www.idealista.com gehen täglich neue Anzeigen online, man kann Wohnungen oft direkt besichtigen und das Portal ist übersichtlich gestaltet. 

Ich selbst fand erst knapp 3 Tage vor der Deadline meiner alten Wohnung eine neue Bleibe, ein bisschen Leben am Limit also. Allerdings muss ich sagen, dass wirklich jeder, dem ich von meiner Wohnungssuche erzählte, seine Hilfe anbot und mich dabei sehr unterstützte. Ich fühlte mich eigentlich nie unter Druck, stattdessen adaptierte ich die beliebte Tranquila-Einstellung der Spanier, also ganz nach dem Motto: Nur kein Stress! Diese Einstellung sollte mich übrigens meinen ganzen Aufenthalt begleiten und ich muss schon sagen: Manchmal hätte ich am Liebsten die Spanier geschüttelt und gesagt: Wir haben keine Zeit für tranquila! Aber: Anderes Land, andere Kultur, stimmt’s?

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Wie sich die spanische Kultur für mich anfühlte, was mir gefiel oder missfiel und wie ich meine ersten Monate in Valencia verbrachte: Davon möchte ich im nächsten Beitrag berichten, um euch nicht sofort mit tausend Infos zu überschwemmen. Meine Spanienbeiträge werden übrigens immer Mittwochs veröffentlicht, ich habe die Reihe auf ca. 7 Beiträge angesetzt, mal sehen, ob das ausreicht! 

Seid ihr selbst schonmal in Spanien gewesen oder habt vielleicht sogar einen Auslandsaufenthalt verbracht? Was waren eure Erfahrungen? Ich freue mich auf eure Antworten!
Solltet ihr übrigens Fragen haben, oder an einem Thema besonders interessiert sein, könnt ihr mir das gerne in den Kommentaren mitteilen!

Bis Mittwoch und oder wie die Spanier stets sagen: Hasta luego!

Melissa

 

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  1. Sehr schöner Beitrag! Ich bin seit meiner Kindheit mit meinen Eltern in die Region Valencia gereist. Irgendwann möchte ich auch mehrere Monate dort bleiben. Bei “ich habe keine Zeit für tranquila” musste ich ziemlich lachen, die Spanier können da manchmal echt etwas anstrengend sein, wenn man was erledigen will.

    Freue mich auf deine nächsten Beiträge!

    Liebe Grüße
    Sonja
    http://www.onefiftytwoblog.com

    1. Hallo Sonja,

      ja die Spanier sind oft etwas eigen, aber Valencia ist wirklich eine tolle Region zum Urlaub machen, finde ich. 🙂 Schade, dass sie oft untergeht!

      Alles Liebe,

      Mel

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